Arztpraxis als Arbeitgeber

Arztpraxis als Arbeitgeber: Welche Prozesse mit wachsendem Team komplexer werden

Veröffentlicht von

Wenn eine Arztpraxis wächst, ist das ein wunderbares Zeichen für das Vertrauen bei den Patienten und Mitarbeitenden und eine stabile wirtschaftliche Basis. Aus der kleinen, familiären Praxis mit zwei oder drei MitarbeiterInnen wird im Laufe der Zeit ein mittelständisches Team aus ÄrztInnen, Medizinischen Fachangestellten (MFAs), Auszubildenden und vielleicht sogar spezialisiertem Fachpersonal.

Mit diesem Wachstum steigen jedoch nicht nur der Umsatz und die Zahl der Patienten, sondern vor allem die organisatorischen und administrativen Anforderungen. Was in einem kleinen Team „nebenbei“ auf dem kurzen Dienstweg geregelt wurde, führt bei steigender Mitarbeiterzahl schnell zu Reibungsverlusten, Unklarheiten und Frustration auf allen Seiten.

Doch welche Abläufe verändern sich konkret? Und wie lässt sich die Praxisorganisation so strukturieren, dass das Team handlungsfähig bleibt und die Qualität hochgehalten wird?

1. Zuständigkeiten und Kommunikation: Vom informellen Zuruf zur klaren Struktur

In einer kleinen Praxis weiß meist jeder sofort, was die anderen tun. Müssen Aufgaben delegiert werden, reicht oft ein kurzer Blick oder ein Zuruf über den Flur. Sobald das Team wächst – etwa ab fünf bis acht Mitarbeitenden –, funktioniert dieses Prinzip nicht mehr verlässlich.

  • Das Problem: Unklare Verantwortlichkeiten führen zu einem dieser klassischen Phänomene: „Fühlt sich jeder zuständig, tut es am Ende niemand.“ Oder auch „TEAM – Toll, ein anderer macht’s.“ Dies betrifft alltägliche Dinge wie die Materialbestellung, die Wartung von Medizinprodukten oder die Urlaubsvertretung.
  • Die Lösung: Eine saubere Organisationsstruktur mit klaren Kompetenz- und Aufgabenprofilen der Ärzte und Mitarbeiter ist unersetzlich. Jede Aufgabe muss namentlich oder rollenbasiert zugeordnet sein. Ein funktionierendes Qualitätsmanagement (QM) hilft dabei, diese Zuständigkeiten schriftlich in Listen mit der Aufgabenverteilung, Stellenbeschreibungen und Prozessbeschreibungen festzuhalten. Zudem sollten sich strukturierte Teambesprechungen mit schriftlichen Protokollen etablieren, um den Informationsfluss für alle verbindlich zu sichern. Auch regelmäßige Schulungen tragen zu einem einheitlichen Verständnis erheblich bei.

2. Dokumentation im Qualitätsmanagementsystem (QMS): Wenn das „Gedächtnis der Praxis“ schriftlich werden muss

In einer Praxis mit wenigen Beschäftigten lebt das QM oft im Kopf des Praxisinhabers oder einer langjährigen MFA, meist die Erstkraft oder Praxismanagerin. Man kennt die Abläufe, weil man sie seit Jahren gemeinsam ausführt. Doch jede Praxis hat ihre Besonderheiten.

  • Das Problem: Kommen neue MitarbeiterInnen oder Auszubildende hinzu – auch wenn sie aus demselben medizinischen Fachbereich stammen, bricht dieses implizite Wissen ein. Es kommt zu Fehlern bei der Einarbeitung, Arbeitsabläufe verlangsamen sich, und gesetzliche Vorgaben (Hygiene, Datenschutz, Arbeitsschutz, Umgang mit Medizinprodukten und -geräten oder auch das Arbeiten nach der QM-Richtlinie des G-BA oder DIN EN ISO 9001) werden lückenhaft und angreifbar.
  • Die Lösung: Wachstum erfordert ein umfassenderes, dokumentiertes QM-System in Form des QM-Handbuchs. QM-Software, digitale Plattformen für Praxisorganisationen oder klare Ordnerstrukturen in einem Windows-Verzeichnis machen Abläufe transparent – und können heute teilweise auch (halb-)automatisiert erfolgen. Wenn Hygienestandards, Notfallprozeduren oder Reklamationsprozesse standardisiert und für jeden jederzeit auffindbar und eindeutig dokumentiert sind, wird die Einarbeitung neuer Kräfte massiv beschleunigt und die Fehlerrate minimiert.

3. Kaufmännische Prozesse und Personalverwaltung: Mehr als nur Lohnabrechnung

Mit jedem neuen Mitarbeiter und somit mit jedem neuen Arbeitsvertrag wächst auch der administrative Aufwand im Hintergrund. Personalführung ist in einer Arztpraxis längst zu einem harten Managementfaktor geworden.

  • Das Problem: Die Arbeitsstunden aller Mitarbeiter mit An- und Abwesenheiten aufgrund von Teilzeitarbeit, Urlaubs- und Krankheitstagen oder Abbau von Überstunden müssen koordiniert werden. Urlaubsplanungen überschneiden sich, Fortbildungswünsche müssen koordiniert werden, und gesetzliche Fristen (z. B. rund um Arbeitszeitgesetz, Mutterschutz oder Belehrungen) dürfen nicht übersehen werden. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an eine fehlerfreie, pünktliche Lohnabrechnung – und die Ansprüche an ein professionelleres Personalmanagement, in dem der einzelne in Mitarbeitergesprächen wertgeschätzt wird.
  • Die Lösung: Hier gilt es, frühzeitig auf digitale Tools zu setzen. Ob digitale Zeiterfassung, automatisierte Urlaubsplaner oder standardisierte Jahres- oder Feedbackgespräche: Wer hier modern aufgestellt ist, spart wertvolle Nerven. Dadurch lassen sich auch beim Personalmanagement viele Prozesse in Workflows automatisieren, die dann nicht mehr händisch angestoßen oder dokumentiert werden müssen. Auch die Einbindung von MitarbeiterInnen mit speziellen QM- oder Management-Kompetenzen entlastet die Praxisleitung spürbar. Denn eine zufriedene, wertgeschätzte Belegschaft ist im Zeitalter des Fachkräftemangels das beste Argument für die Mitarbeiterbindung – und den weiteren Erfolg der Praxis.

Autor: Marion Meyer

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert